Google Penguin 3.0 Update

Was lange währt wird endlich gut. Könnte man meinen, aber im Gegensatz zu den USA, wo die neuste Version des Pinguin Updates inklusive eines damit verbundenen Datenrefreshs für viel Aufsehen und Bewegung in den Suchergebnissen sorgte, sind in Deutschland kaum Veränderungen wahrnehmbar. Stehen die SEO Wettervorhersagen sonst im Rahmen derartiger Updates regelmäßig auf Sturm und Gewitter, diesmal reichte es gerade für Nieselregen, keinerlei nennenswerte Ausschläge.  Hätte Google das globale Update nicht gegenüber den Redakteuren einschlägiger Fachportale bestätigt, hierzulande hätte kaum jemand den kleinen Pinguin 3.0 überhaupt bemerkt.

Baby Pinguin

Viele hatten sich von dem neuen Update einen großen Wurf erwartet, der Webspam signifikant eindämmt, doch viele eher fragwürdige Optimierungsmethoden scheinen leider immer noch relativ gut zu funktionieren, ohne daß Google Anstoß daran nimmt. Sicher keine langfristig nachhaltige oder empfehlenswerte Strategie, aber manche Seiten halten sich trotz Massen an Blogkommentaren und ähnlichen eher geringwertigen Links erstaunlich gut. Auch Problemlinks, die bisher rein über manuelle Maßnahmen abgedeckt wurden, scheinen nicht in den neuen Algorithmus eingeflossen zu sein.

Ob wie bei den vorherigen Penguin Updates kurz nach dem Hauptdurchlauf noch ein kleineres Anpassungsupdate erfolgen wird, ist aktuell nicht bekannt, größere Veränderungen sind hierbei aber traditionell nicht zu erwarten.

Positiv stimmt die Planung seitens Google, diesen Algorithmus ähnlich dem Panda Update jetzt häufiger ausspielen zu wollen. Wer von einem der früheren Pinguin Updates betroffen war und trotz gewissenhafter Entfernung und/oder Entwertung fragwürdiger Massenlinks diesmal keine Erholung verzeichnen konnte, bekommt die nächste Chance aller Voraussicht nach nicht erst in einem Jahr.

 

Und sie bewegt sich doch!

Lange Zeit hat Google proklamiert, daß negatives SEO, also der Versuch Webseiten Dritter mit Hilfe von großen Mengen an Spamlinks in eine Abstrafung (v.a. Pinguin) zu drängen, unmöglich ist. Im Laufe der Zeit wurden die Aussagen vorsichtiger, aktuell wird offiziell intensiv daran gearbeitet, es zu verhindern. Selbstsicherheit klingt anders.

Was bei größeren Brands mit langer Historie, jahrelangem organischen Linkzuwachs und vielen positiven Signalen noch relativ eindeutig und einfach ist, wird bei neueren Seiten mit weniger Links schnell zum Problem.  Spamlinks lassen sich im Gegensatz zu redaktionellen Verweisen nicht dem Urheber zuordnen, sie tragen keinen Fingerabdruck mit sich, werden meist per Software automatisiert auf Seiten eingetragen, auf denen jedermann Kommentare hinterlassen, Profile erstellen oder Inhalte einpflegen kann. Nach einem kurzen, schnellen Aufstieg folgt dann unweigerlich nach wenigen Wochen oder Monaten der tiefe Fall.

Google kann nicht erkennen, ob diese Links in Sabotageabsicht von einem Wettbewerber oder vom Seitenbetreiber selbst gesetzt wurden, umso weniger, wenn dies über einen längeren Zeitraum geschieht. Wie schwer die Unterscheidung für den Suchmaschinen Riesen aus Mountainview offenbar ist, zeigt der Kommentar von Josh Bachynski auf dem bekannten SEO Portal Searchengineland:

josh

In einem Gespräch auf der SEO Konferenz SMX West vor wenigen Wochen soll Matt Cutts von Google im persönlichen Gespräch geäußert haben, daß der Pinguin Algorithmus aktuell keine Iteration erfahren kann, weil Pinguin zu anfällig für negatives SEO wäre. Auch wenn Josh sicher kein Freund von Matt Cutts ist, gerne polarisiert und sogar, wie kürzlich auf Twitter, vor Vergleichen von Google mit einem totalitären Regime nicht zurückschreckt, ein Dementi seitens Google läßt auf sich warten. Die Tatsache, daß ein eigentlich schon lange fälliges und von vielen bereits im Frühsommer 2014 heiß ersehntes Update des Pinguins ausblieb, verstärkt den Eindruck, daß die Geister die Google mit dem Pinguin rief sich eventuell nicht mehr kontrollieren lassen.

Was bedeutet das für die Praxis?  Trau, schau, wem. Negatives SEO ist zweifelsfrei illegal, aber technisch unmöglich einem konkreten Verursacher  zuzuordnen, das Risiko für den Täter geht gegen null. Die regelmäßige Kontrolle des eigenen Backlinkprofils auf Auffälligkeiten sollte daher fester Bestandteil jeder SEO Strategie sein. Auch wenn Sabotageversuche nicht verhindert werden können, kann der rechtzeitige Einsatz des Google Disavow Tools so drohenden Schaden abwenden.

Übertriebene „Linkangst“ ist verkehrt: Links sollten nie leichtfertig entwertet werden, kleine Mengen qualitativ geringwertiger und spammig wirkender Links finden sich in jedem Linkprofil und richten keinerlei Schaden an. Im Falle eines Angriffs mit Spamlinks ist eine Linkentwertung aber die einzig wirksame Gegenmaßnahme, die schnell und konsequent eingesetzt werden sollte.

Wie häufig negatives SEO vorkommt, läßt sich schwer abschätzen, v.a. da große und bekannte Brands dagegen eher immun sind und über Abstrafungen weniger bekannter Seiten nirgendwo publikumswirksam berichtet wird. Es eignet sich zudem vortrefflich als Ausrede für hausgemachte Probleme, ein Großteil aller Abstrafungen ist sicher keinem skrupellosen Mitbewerber zuzuordnen. Wenn Google deswegen weitere Updates eines Algorithmus der eine Speerspitze im Kampf gegen Webspam gebildet hat aussetzt, ist eine gewisse Wachsamkeit dennoch sicher nicht verkehrt.

Zur Überwachung eigenen sich spezialisierte Tools mit eigenen Datenbanken und Crawlern, allen voran Ahrefs und der Moz Open Site Explorer. Sie sind auch für den deutschsprachigen Bereich sehr genau, zeigen neue Links weitaus schneller an, als die nur sporadisch aktualisierten Listen aus den  Google Webmaster Tools. Beide Anbieter haben ein Rechenzentrum, daß viele kleinere Universitäten sich wünschen würden, selbst so manche vielfach teurere SEO Suite greift im Rahmen einer Kooperation auf diese Daten zurück.

 

Matt Cutts verlässt Google

Matt Cutts, Leiter des Google Webspam Teams und neben John Mueller offizielles Sprachrohr für die Webmastergemeinde, verläßt morgen Google. Laut seinem privaten Blog bis Oktober http://www.mattcutts.com/blog/on-leave/, als durchaus verständlichen Grund führt er an, mehr Zeit für seine Frau und seine Familie haben zu wollen. Es wird ein echtes Sabattical, seine eMails werden während dieser Zeit an das Webspam Team weitergeleitet.

Das Timing überrascht nicht,  im Sommer gab es bei Google nur sehr selten größere Updates oder nennenswerte Veränderungen, perfekt für eine Auszeit. Nach über 14 Jahren bei Google dennoch bemerkenswert und von niemanden erwartet.

Der Schritt nährt natürlich allerlei Spekulationen, ob der Ausstieg auf Zeit nur ein Testlauf für einen dauerhaften Ausstieg ist. Insider vermuten gar, daß Matt Cutts mit einem Wechsel in die Politik liebäugelt. Die Kunst, ein Sommerloch medienwirksam mit viel Stoff für wilde Vermutungen zu füllen, beherrscht er schon einmal vorzüglich:

http://searchengineland.com/matt-cutts-on-leave-195785

http://www.seroundtable.com/google-matt-cutts-extended-vacation-18802.html

http://www.zdnet.com/googles-embattled-webspam-chief-matt-cutts-is-taking-a-few-months-off-7000031242/

http://www.siliconvalleywatcher.com/mt/archives/2014/07/googles_matt_cutts_is.php

http://www.cnet.com/news/matt-cutts-a-public-face-of-google-takes-leave-of-absence/

Wir wünschen Matt Cutts eine schöne Zeit mit der Familie und sind gespannt auf den Oktober!